VORFILM (B-Movie): Eine britische Expedition
mit Kettenfahrzeugen durch die Schluchten Afghanistans, 30er Jahre. Vor
einem Tunnel werden die Kolonialisten (= die Guten) von berittenen Einheimischen
(= die Bösen) angegriffen. Die schlauen Engländer spannen eine
Leinwand in den Tunnel und projizieren darauf eine Westernszene mit galoppierenden
Indianern (= ebenfalls böse), worauf die Angreifer, die noch nie
im Kino waren, wie vor Gespenstern die Flucht ergreifen.
HAUPTFILM (A-Movie): Psychologisch gesprochen stellen Projektionen innere
Vorstellungsbilder dar, die auf Objekte der Außenwelt geworfen werden,
so daß diese fast ganz zum Verschwinden kommen können. Aufklärerische
Projekte analysieren die Differenz von Bild und Objekt, also im Fall etwa
des feministischen Diskurses die Schnittstelle von Frauenbild und weiblichem
Körper. Dabei stellt sich allerdings heraus, daß die Projektionen
den Dingen und Körpern quasi eingeschrieben sind, ein völlig
reiner, projektionsloser Blick jenseits allen Kolonialismus Fiktion bleiben
muß.
Alexandra Berlingers Videoprojektionen auf Möbelstücke stellen
zunächst eine solche Deckungsgleichheit von Objekt und Projekt her.
Die Filme zeigen die jeweiligen Gegenstände, auf die sie dann projiziert
werden, und durch ein entsprechendes Maskenverfahren fallen auch die Umrisse
der Projektion mit den Objektumrissen zusammen. Diese traute Identität
erhält aber phantasmatische Züge, da man auf den Filmen menschliche
Körper sieht, die sich vor und auf den Möbeln bewegten, denen
sie jetzt eingeschrieben sind als wären sie integrative Bestandteile
ihrer selbst. Durch den von der dreidimensionalen Oberfläche der
Möbel bedingten wechselnden Projektionswinkel entstehen teilweise
anamorphotische Verzerrungen, welche die Projektion als solche entlarven,
also aufklärerisch wirken müßten, hier aber nicht als
Eigenschaften des projizierenden Blickes, sondern der Dinge selbst erscheinen.
Ähnliches bewirkt die Maskierung, welche die Körper überall
dort fragmentiert, wo sie die Grenzen des Möbels überschneiden
und somit die Projektion völlig von der Projektionsfläche determiniert
sein läßt. Diese monströsen Handlungs- und Körper-Möbel
behaupten eine gespenstische, täuschende Einheit von Vergangenheit
und Gegenwart, Absenz und Präsenz, Objekt und Projekt, die vielleicht
nicht gerade in die Flucht schlägt (man sieht keine wilden Indianer),
aber Vertrautes fremd, fast unheimlich werden läßt, indem gewohnte
Einrichtungsgegenstände in die projizierte Haut ihrer ehemaligen
Benützer und Kolonisten schlüpfen und so selbst Objektstatus
erlangen.
Anselm Wagner (Katalogtext zu Kunst in der Stadt,
Bregenz 1997) |