| Ich dachte an die Pistole in seinem
Spielzimmer und die offensichtliche Bereitschaft sie zu gebrauchen 2-teilige Diainstallation |
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| Im Zentrum der Untersuchung für die vorliegende
Arbeit mit dem Titel „Ich dachte an die Pistole in seinem Spielzimmer
und die offensichtliche Bereitschaft sie zu gebrauchen“ stehen grundsätzliche
Fragen nach dem Raum, dessen konstituierende Elemente und deren Parameter,
dessen abbildhafte Repräsentation im Realraum und den damit verbundenen
Konsequenzen hinsichtlich dessen Wahrnehmung. Im Wesentlichen besteht das projizierte Abbild aus zwei überlagerten und per se gleichrangigen Bildebenen: Einem konstruierten und daher fiktiven Raum, der ähnlich der Konfiguration eines Bühnenraums als determinierte Entität konzipiert ist und dem Geäst einer Baumgruppe, einem abstrakt-realen, die Szene strukturierenden Netzwerk, dessen Erscheinungsform einem regelmäßigen Wechsel unterworfen wird. Das fiktive Konstrukt des Bühnenraums besteht aus einer Assemblage unterschiedlichster Elemente, die eine vielschichtige Gesamtkomposition konstituieren. Im Zentrum steht das diesem Umfeld ausgesetzte Individuum. Das Geäst der Baumgruppe dient hinsichtlich der Rezeption des Gesamtensembles als strukturierender Rahmen, dient darüber hinaus aber auch als eine, die Wahrnehmung bewusst manipulierende und pulsierende Maske. Diese Maske ist allerdings nicht als dem Bühnenraum vorgelagerter zweidimensionaler Layer, sondern vielmehr komplizenhaft als räumlich mit der Kulisse verwobener Filter interpretierbar. Das heisst, dass der unseren Wahrnehmungsgewohnheiten implizite Drang nach vollständiger mental-räumlicher Decodierung einer abbildhaften Repräsentation vermeintlich real-räumlicher Verhältnisse auf zwei Ebenen einer Prüfung unterzogen wird: Erstens durch Verfremdung mittels „Scaling“ (Verändern gewohnter Größenverhältnisse) und zweitens durch den Umstand, dass das regelmäßig deren Erscheinungsform wechselnde „Maskengeäst“ lediglich einen selektiven Ausschnitt bzw. Einblick in den Bühnenraum freigibt. Die dieser Element-Assemblage zugrunde liegenden Konstitutionsprinzipien werden damit auf den Betrachter übertragen, der, um zu einem vollständigen Eindruck von der Beschaffenheit der Szene zu gelangen, die von der Maske ausgeblendeten Fehlstellen ersetzen muss und somit sukzessive zu einem Vorstellungsbild gelangt. Die Konstruiertheit dieses Bildes verstärkt dabei dessen fiktiven Charakter. Die Veränderung des Astnetzwerkes der Baumgruppe erfolgt mittels Überblendung nicht abrupt sondern fließend. Das heisst, dass die seiner Natur nach ephemere Existenz des konstruierten Fiktionsraums die konstante Komponente im Zusammenspiel der beiden Bildebenen darstellt, während das als naturräumliche Hardware interpretierte Geäst von Baumgruppen ständiger Veränderung unterliegt und dem Betrachter die Interpretation des gegebenen Sachverhalts erheblich erschwert. Wie mit dem Titel der Arbeit angedeutet, verkörpern die im Bühnenraum befindlichen Akteure eine enigmatische Ambivalenz zwischen demonstrativer Teilnahmslosigkeit und entschlossener Handlungsbereitschaft. Sie scheinen wie in einem magischen Moment ausbalancierten Kräftegleichgewichts gefangen zu sein, während mit der perpetuierlichen Veränderung des Strukturgefüges das Potential des Augenblicks wieder und wieder ausgelotet werden kann. Die Projektion wird somit zum inszenierten Abbild einer real existierenden Bühne für die antizipierten Ereignisse. Wolfgang Fiel |